21 Okt

Freizeitstress – „der private Burnout“

Zeit war schon immer ein knappes Gut. Allerdings hatte ich für mich das Gefühl, dass sich diese zunehmend verknappt. Natürlich war während meines Studiums mehr Raum für Freizeit, als heute mit Kind und Vollzeitstelle. Was mich aber erstaunt – egal wen ich fragte, ob Teenager, Single oder Rentner – Freizeit wird heute als knapper empfunden als früher. Dabei haben wir statistisch so viel Freizeit wie selten zuvor.

Nur noch kurz die Welt retten...

Nur noch kurz die Welt retten…

„Nach der Arbeit noch kurz zum Sport, dann etwas essen und schnell das Kind ins Bett bringen, um mit der Frau den Krimi im Ersten nicht zu verpassen. Während dem Film über die sozialen Medien checken, was in den kommenden Tagen oder am Wochenende los ist und neue Verabredungen treffen (aber bloss nicht 100% zusagen, falls sich noch was Besseres ergibt). Anschliessend schauen, ob ich wichtige Posts verpasst habe, 4 Videos angesehen, 2 Leuten zum Geburtstag gratuliert, 5 Mal geliked und 3 Beiträge geteilt und Status posten nicht vergessen. Ein paar witzige Bilder und Videos an die besten Freunde oder Kollegen weitergeleitet und eingehende Bilder und Videos angeschaut.“ So oder so ähnlich sieht bei mir und den meisten meiner Freunde und Kollegen der Alltag aus, unabhängig davon ob sie Kinder haben oder nicht. Denn wer keine Kinder hat engagiert sich häufig stärker in Vereinen, besucht mehr Festivals und Konzerte oder Ähnliches. Da stört es schon fast, wenn man am Samstag noch einkaufen oder saubermachen muss – was für ein Stress.

Aber Stress möchte ich ja in meiner Freizeit nicht, oder? Trotzdem erwische ich mich immer wieder, wie ich versuche alle Anfragen aus Freundes- und Kollegenkreis unter einen Hut zu bringen. Und dann merke ich zuweilen, dass ich wieder zu wenig qualitative Zeit mit Kind und Frau verbringe. Und das häufig, weil ich mich zu lange mit banalen Themen in den sozialen Medien beschäftige, und hier und da noch spontan zu einem Treffen zugesagt habe. Nur will Spontanität heute gut geplant sein. Wir leben in einem Überangebot von Möglichkeiten die Freizeit zu gestalten. Wenn wir es nicht schaffen uns zu fokussieren und bewusst auszuwählen, was wirklich wichtig ist, kann das in einem regelrechten Freizeitstress enden. Dann machen wir viele tolle Dinge, erleben oder geniessen aber nichts davon wirklich eingehend.

Für mich gilt daher auch in der Freizeit: weniger ist mehr.