21 Nov

Lass uns reden

 

Kommunikation führt zu Gemeinschaft,
das heisst zu Verständnis, Vertrautheit
und gegenseitiger Wertschätzung.
Rollo Reece May
(1909-1994, amerikanischer Existentialpsychologe)

 

In einer Beziehung zu sein ist eine Sache. Eine Beziehung zu halten, eine andere. Wer schon in den Genuss einer längeren Liaison gekommen ist, weiss, dass eine funktionierende Partnerschaft eines sicher nicht ist: unanstrengend. Entscheidungen müssen gemeinsam getroffen, Kompromisse eingegangen und Erwartungen angesprochen werden. Letzteres wird jedoch allzu oft unter den Teppich gekehrt oder anders gesagt: wie oft hast du, lieber Leser, dir schon vorgenommen, gänzlich erwartungslos zu sein? Und, hat es funktioniert? Eben.

 

Die Krux mit den Erwartungen

Manche mögen jetzt den Kopf schütteln und sagen: »Ich habe längst keine Erwartungen mehr an meine Mitmenschen. Da wird man ohnehin nur enttäuscht«. Aber Hand aufs Herz, so ganz ohne geht es dann doch nicht, oder? Wenn ich jeden Morgen zur Arbeit gehe, erwarte ich dann dasselbe nicht auch von meinem Partner oder meiner Partnerin? Wenn ich ein Problem habe, erwarte ich dann nicht, dass mein Partner mich versteht oder es zumindest versucht? Wenn ich mich hinten anstelle, erwarte ich das dann nicht auch von meinen Mitmenschen? Und genau hier steckt die Krux mit den Erwartungen vergraben. Wie man sie löst? Mit reden.

 

Gewitter im Anmarsch

Liest sich die SMS des Liebsten wie ein gefühlskaltes Memo, sollte man ihn darauf ansprechen. Denn eigentlich wünscht man sich ja etwas mehr Emotionen, ja erwartet sie sogar. Stattdessen interpretiert man aber lieber etwas hinein, was – in den meisten Fällen – nicht ist. Und am Ende wundert man sich über den Knall, der das Beziehungsfundament zum wackeln oder gar zum Einsturz bringt. Wie ein wütender Mob bricht der grollende Donner aus unausgesprochenen Wünschen, Vermutungen und Annahmen plötzlich über die Zweisamkeit herein. Und ist sie erst einmal da, lässt sich die Gewitterfront nur mit viel Engagement wieder vertreiben. Das bedeutet natürlich nicht, dass jedes noch so winzige Anliegen einer ausschweifenden Diskussion, jedes noch so unwichtige Detail einer tieferen Betrachtung bedarf. Am Ende aber vermag nur das gemeinsame Kommunizieren Missverständnisse aus der Welt und ein besseres Verständnis füreinander zu schaffen. Wenn also das nächste Mal Grund zur Annahme besteht, der Beziehungs-Himmel habe sich verdunkelt, ist ein »wotsch drüber rede« bestimmt nicht fehl am Platz.

Autor: Helena Stamatovic, www.perlentexter.ch

16 Nov

Guckst du?

Wir haben zuhause keinen Fernseher. Das ist uns neulich wieder einmal aufgefallen, weil uns der Besuch auf das fehlende Objekt angesprochen hat.

Nicht, dass wir einen gemütlichen Fernsehabend verachteten. Den haben wir zwischendurch sogar! Dafür schliessen wir einfach das DVD-Gerät an den Beamer und schon steht unser privater Kinoabend auf dem Programm.

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Simon guckt in die Röhre. Nein, das ist nicht unser Beamer!

Es gibt mehrere Gründe, weshalb wir den Fernsehanschluss gekappt haben (Billag dafür bezahlen wir übrigens immer noch. Liest man die Bedingungen fürs Zahlen, so stellt man fest, dass ein Smartphone oder Laptop ausreicht, um gebührenpflichtig zu sein.) Einer der wichtigsten Gründe ist die mangelnde Zeit fürs Fernsehschauen. Seit der Geburt unseres zweiten Kindes ist die Zeit noch knapper geworden.

Der besagte Besuch konnte sich ein Leben ohne TV irgendwie nicht vorstellen. Konnte ich mir früher auch nicht. Am Montag zur Schule, ohne «Wetten, dass…» am Samstag gesehen zu haben? Unmöglich! Aber heute? Geht prima ohne. Ohne TV meine ich. Dass es ohne «Wetten, dass…» auch geht, haben die Verantwortlichen selber festgestellt;-)

Ja, fernsehen ist ideal, um nach der Arbeit einfach mal abzuschalten. Aber es ist eben auch eine grosse Zeitvernichtungsmaschine. Ausserdem starre ich täglich lange genug in irgendwelche Bildschirme. So sind mir bestimmt auch meine Augen für die TV-Abstinenz dankbar.

Wie ist das bei dir so? Auch schon darüber nachgedacht, den Fernseher zu verkaufen? Was würde dann passieren?

01 Nov

Akuter Terminkonflikt

Kinder sind ein Stressfaktor für eine Beziehung. Das habe ich in einem Heftli gelesen, das bei uns zuhause rumlag. Nun steht bei uns die Geburt unseres zweiten Kindes bevor. Grund genug also, gewisse Vorkehrungen zu treffen. Aber oha…

 simon-im-herbst-2016

Ich werde demnächst zum zweiten Mal Vater. Darauf freue ich mich sehr. Nach einer turbulenten Zeit rund um die Geburt des ersten Kindes haben wir uns vorgenommen, beim zweiten Kind ein paar Sachen anders zu machen. Und uns beispielsweise mehr Zeit für uns zu nehmen.

Nun fällt der Geburtstermin mit einem Konzert jenes Vereins zusammen, wo ich Präsident bin. Man merke: akuter Terminkonflikt! Zu so einem Konzert gehört die Begrüssung des Publikums und die Verdankung des Dirigenten, Moderators ect durch den Vereinspräsidenten dazu. Hab’ ich bis anhin immer zuverlässig gemacht. Aber dieses Jahr? Nope. Bin ich nicht da. Einfach nicht da. Und ich bin sicher, dass das ein anderes Vereinsmitglied mindestens genauso gut macht wie ich.

Das spannende an dieser Geschichte waren die Reaktionen auf meine Ankündigung, dass ich am Konzert fehlen werde. Da war die gesamte emotionale Palette dabei, die da reichte von «super, finde ich toll, dass du für deine Familie da bist» bis zu «das ist nicht gerade die feine Art».

Jaja, typisch Dorfverein, mag man jetzt leichtfertig denken. Aber dem setze ich entgegen, dass es anderswo genauso laufen würde.

Was zeigt mir dieses kleine Erlebnis? Über die Geburt eines Kindes freuen sich alle. Aber wenn die Geburt mit einem „Pflichttermin“ des Vaters zusammenfällt, hört der Spass auf. Und wenn es da schon schwierig wird, dann wird es später mit zwei Kindern, einer Paarbeziehung und einem Vereinspräsidium bestimmt nicht leichter…